
Epigraph: "Die erhabene Ordnung ist eine Brücke zum duftenden Grün der Jugend."
T'ai Hsüan Ching: Die Ursprünge einer alten chinesischen Philosophie
Entdecke die faszinierende Geschichte hinter "Das junge I Ging" – einem System, das tief in der alten chinesischen Philosophie verwurzelt ist und dir auch heute noch wertvolle Impulse gibt.
Yang Hsiung und die Wiederbelebung des I Ging
Zunächst die Geschichte des T'ai Hsüan Ching: Um 53 v. Chr. lebte der chinesische Gelehrte Yang Hsiung (auch Yang Xiong). Aus Yang Hsiungs Biografie geht hervor, dass er das I Ging (oder I Ching, Chou I, Wandlungen), einen auf etwa 800 v.Chr. datierten chinesischen Klassiker, sehr schätzte. Doch diese alte chinesische Weisheit drohte in Vergessenheit zu geraten.
Yang Hsiung wollte dieser Weisheit neue Impulse verleihen. Deshalb schuf er sein eigenes Werk: das T'ai Hsüan Ching (Das Mysterium). Es war nicht als Konkurrenz gedacht, sondern als ein Begleiter zum I Ging, der das I Ging in seiner Bedeutung stärken sollte. Hier eine Erklärung des T'ai Hsüan Ching:
I Ging vs. T'ai Hsüan Ching des Yang Hsiung: Ein Vergleich der Strukturen dieser Klassiker der chinesischen Philosophie
Michael Nylan beschreibt in ihrem Buch "The Elemental Changes" - The T'ai Hsüan Ching of Master Yang Hsiung, die grundlegenden Unterschiede zwischen
I Ging und T'ai Hsüan Ching sowie die Gemeinsamkeiten dieser beiden Systeme:
- I Ging (Wandlungen):
o Besteht aus 64 Texten, jeweils zugeordnet einem Hexagramm.
o Hexagramme bestehen aus sechs Linien, die entweder durchgehend (Yang) oder unterbrochen (Yin) sein können.
o Jedes Hexagramm hat sechs dazugehörige Linientexte.
- T'ai Hsüan Ching (Mysterium):
o Ersetzt das Hexagramm durch ein vierzeiliges Tetragramm.
o Die Linien werden von oben nach unten gelesen (umgekehrt zum I Ging).
o Statt nur zwei (Yin/Yang) gibt es drei Möglichkeiten für jede Linie des Diagramms:
- Eine ungebrochene Linie (korreliert mit Himmel).
- Eine einmal gebrochene Linie (repräsentiert die Erde).
- Eine zweimal gebrochene Linie (symbolisiert den Menschen, verortet zwischen Himmel und Erde).
I
Mathematische Schönheit: Die 81 Tetragramme
Das T'ai Hsüan Ching ist nicht nur philosophisch, sondern auch mathematisch faszinierend:
- Die vier Linien des T'ai Hsüan Ching, jede mit drei Möglichkeiten, ergeben 3x3x3x3 = 81 Tetragramme (im Gegensatz zu 64 Hexagrammen beim
I Ging).
- Jedem Tetragramm sind dann jeweils 9 Bewertungen angefügt, was insgesamt 729 Bewertungen ergibt.
Ein Link zur ausführlichen Beschreibung der Mathematik des T'ai Hsüan Ching wird ganz unten auf dieser Seite genannt.
Deine Antwort: Ein Wegweiser zum tieferen Verständnis
Wenn du "Das junge I Ging" befragst, erhältst du neben diesen Bewertungen zwei Zahlen: die des Tetragramms und die der Bewertung. Damit kannst du die ausführliche Version in Michael Nylans korrekter Übersetzung nachlesen. Beachte, dass die Bewertungen von oben nach unten gelesen werden.
Zudem haben wir die Originaltexte in chinesischen Schriftzeichen auf den Antwortseiten beigegeben. Der Titel des Tetragramms (stets das erste Schriftzeichen) sowie der dreiteilige Haupt-Text stehen ganz oben, und die relevante der neun möglichen Bewertungen findest du ganz unten.
Ein entscheidender Unterschied: Logik statt Rätsel
Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen prinzipiell ähnlichen Systemen ist die Philosophie der Anordnung der Hexagramme bzw. Tetragramme.
- Das T'ai Hsüan Ching folgt einer eleganten, streng mathematischen Logik und untermauert damit eine kohärente Philosophie.
- Für die Anordnung des I Ging wurde hingegen bis heute keine plausible Erklärung gefunden.
In Derek Walters The Alternative I Ching (1987) wird die dem T'ai Hsüan Ching innewohnende mathematische Schönheit thematisiert. Wer tiefer eintauchen möchte, dem sei "Mathematics of the Tai Xuan Jing" von Frank "Tony" Smith empfohlen (online verfügbar unter: https://vixra.org/pdf/1412.0175v1.pdf).